Dieser Aufsatz befasst sich mit dem Mimesis-Begriff Adornos, das ein
zentrales Konzept in seiner aesthetischen Theorie ist. Ich gehe davon aus, dass
dieser Begriff einen grossen Sinn auch in seiner sozialen und politischen
Philosophie hat. Nach Adorno beinhaltet die westliche Vernunft von Natur aus
die Samen der Herrschaft und Unterdrueckung in sich, denn sowohl die
aufklaerische Vernunft als auch das Homerische Ich, das als ein geneologischer
Vorfahr dieser Vernunft angesehen werden kann, bassieren auf die
Unterdrueckung der Natur und des Anderen. Da er die Vernunft so totalisiert
und kritisiert, scheint es, dass er von Anfang an eine Moeglichkeit der
vernuenftlichen Versoehnung brockiert. Sein utopisches Projekt, in dessen
Zentrum das Konzept der nicht opferische Nicht-Identitaet des Subjekts und der
Bewahrung der Anderheit des Anderen stehen, ist daher moeglich nur durch die
Negative Dialektik. Aus diesem Problembewusstsein wird der aesthetische
Begriff Mimesis aufgenommen. Mimesis heisst eigentlich die Assilmilation des
Subjektes zur Natur. Das ist wirklich von dem Prinzip der Identitaet der
Vernunft unterschieden, weil sie nach wie vor die Natur und das Andere unter
ihr Gesetz bringt. In dem Sinne, dass die Mimesis einen begrifflich
unausgef?llten Raum hat, kann sie als ein Beispiel der Negativen Dialektik.
Aber wegen ihrer aesthetischen Charakteristik koennte sie keine begriffliche
Loesung zeigen, und daher ist die Versoehnung oder die emanzipierte
Gesellschaft verschoben. Das bedeutet vielleicht, dass sein Denken in den
Subjektivismus der Aufklaerung wieder gefallen ist.