Der vorliegende Aufsatz versucht, die philosophischen Implikationen von
Platons dramatischer Inszenierung im einleitenden Teil des Dialogs Parmenides
herauszudeuten, in der ?berzeugung, dass, wenn die Auseinandersetzungen des
Sokrates mit Zenon und Parmenides im Dialog eine historisch unm?gliche
fiktive Inszenierung sind, dann ihre ?bermittler Pythodoros, Antiphon und
Kephalos aus Klazomenai auch fiktiv inszeniert sind, sodass der ganze Dialog
fiktiv inszeniert ist. So versucht er anders als vorherige Untersuchungen, die
philosophischen Impliktionen des einleitenden Teils auf der Ebene der
platonischen Inszenierung herauszustellen.
Dem zufolge wird das Kernproblem des ganzen Dialogs als das des
Verh?ltnisses zwischen dem an und f?r sich seienden Eidos und der
Bestimmung von etwas als notwendige Bedingung zum Bestehen des Eidos
dargestellt, und dies wird im einleitenden Teil so inszeniert, wie der Kephalos
aus Klazomenai, der hier f?r den kosmischen Geist von Anaxagoras steht, in
Athen gekommen ist, um von zwei Br?dern des Platon Adeimantos und
Glaukon willkommen geheißen zu werden und um die Auseinandersetzungen
unter Sokrates, Zenon und Parmenides von Antiphon zuzuh?ren, der seinerseits
sie von Pythodoros geh?rt habe. Da versteht sich der Antiphon als Antiphon
der Sophist, der der Natur das Gesetz als Z?gel verlieht habe, und spielt seine
Rolle als ?bermittler der Auseinandersetzungen und damit zugleich als
Teilnehmer an solcher dialektischen Reise mit Platons Br?dern und allen anderen, die daran interessiert sind.
Platon dr?ckt diese Situation als große Panathen?en aus, derer philosophische
Bedeutung darin besteht, dass verschiedene sterbliche Menschen jeder in seiner
eigenen Weise an den Auseinandersetzungen ?ber die Wahrheit des Seienden
teilnehmen.